Sanierung und Erweiterung Rathaus Calw

1. Preis

Das Rathaus von Calw bildet den Mittelpunkt eines wertvollen, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles, das zur Stärkung der kommunalen Identität zu einem modernen, transparenten und barrierefreien Dienstleistungszentrum entwickelt wird.
Unsere Planungsgedanken gehen davon aus, vorgefundene städtebauliche Strukturen und räumliche Ordnungen sowie die historische Bausubstanz an sich möglichst zu erhalten und gleichzeitig durch behutsame Maßnahmen der Neugestaltung zu stärken. Eingriffe in die Fassaden werden bis auf die Wiederherstellung der historischen Fassade Marktplatz 11 und die Rekonstruktion des Kindergartens an der Schulgasse kaum vorgenommen. Der Neubau am Fruchtmarkt greift mit seinem Satteldach und seiner „fachwerkartigen“ Gliederung der Fassade vorhandene Gebäudeproportionen und –strukturen auf und fügt sich mit seiner modernen Architektursprache sensibel in das historische Umfeld ein. Der historische Kindergarten wird durch den Rückbau von Salzgasse 6, 6/1 und 8/1 freigestellt, seine Fassade wird an vorhandene Fachwerkstrukturen angepasst und mit dem Neubau „gläsern“ verbunden.
Die ehemalige Markthalle wird als zentrales „Herz“ der Stadt Calw wiederbelebt. Der Stadtboden zieht sich über die großzügigen Treppenebenen und Rampen vom Marktplatz zum Fruchtmarkt hin durch. Dieser zurückgewonnene Stadtmittelpunkt kann für und von den Calwer Bürgern vielfältig bespielt werden und ist gleichzeitig belebte Anlaufstelle für das Bürgerbüro.
Die Stadtinformation (Marktplatz 11 – im ältesten Haus der Stadt) und das Bürgerbüro (Marktplatz 7) werden über breite Treppen an die zentrale Halle angebunden und behindertengerecht vom Marktplatz erschlossen. Die gläserne ebenerdige Arkade des Neubaus verknüpft die Gebäude am Marktplatz mit den Gebäuden an der Salzgasse und öffnet sich zum Fruchtmarkt.
Zwei historische Treppen führen auf die Ebene des Oberbürgermeisters im 1. Obergeschoss des historischen Rathauses. Zusätzlich wird eine neue Treppe in der Eingangshalle als repräsentativer Aufgang integriert. Um eine offene Halle gruppieren sich die Räume des Oberbürgermeisters mit zentralem Blick zum Marktplatz, sein Sekretariat sowie sein persönlicher Referent mit Besprechungszimmer. Auf dieser Ebene befinden sich im Marktplatz 7 die Rechnungsprüfung, in der Salzgasse 4 die Büros der Ortsvorsteher und im Marktplatz 11 die Poststelle.
An der gläsernen Arkade zu den Gebäuden an der Salzgasse liegen die Bußgeldstelle und im Zwischengeschoss der Vollzugsdienst, die zusätzlich direkt vom Fruchtmarkt mit Aufzug und Treppe erschlossen sind.
Das Standesamt und die Ausländerbehörde sind im Zwischengeschoss (Marktplatz 7 und Salzgasse 4) dem Bürgerbüro zugeordnet, das Trauzimmer im schönen Erkerzimmer.
Die historische Treppe setzt sich in die Ebene der Ratssäle im 2. Obergeschoss fort. Die Lage der ursprünglichen Wände und damit die atmosphärische Qualität der historischen Räumlich-keiten werden beibehalten, wenige Gefache werden für interessante Durchblicke geöffnet.
Die baugeschichtlich bedeutsamen Ratssäle werden in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz sorgfältig restauriert und mit moderner Technik und Medien ergänzt. Die Gefache zwischen kleinem und großem Saal werden für Zuhörer geöffnet. In nächster Nähe der Ratssäle befinden sich die Fraktionsräume (Marktplatz 7) und das atmosphärische Besprechungszimmer.
Eine neue Treppe in der historischen Treppenöffnung führt weiter in das 3. Obergeschoss, wo sich um einen zentralen Kern unter Beibehaltung der historischen Raumstrukturen die Bereichsleitung, die Personalabteilung, die zentralen Dienste und das Ordnungsamt mit kurzen Wegen zueinander organisieren.
Auch in den Gebäuden Salzgasse 8/10 gilt der Grundsatz, unter Bewahrung der historischen Substanz moderne und für die Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zwei gläserne Arkadenebenen verknüpfen die Gebäude an der Salzgasse und am Marktplatz. Über das offene Treppenhaus, das den Höhenunterschied zwischen Salzgasse 8 und 10 bewältigt, wird ein großzügiger, heller Raum mit ausreichender Verkehrsfläche geschaffen. Um diesen Mittelpunkt gruppieren sich auf der Eingangsebene das Bauordnungsamt und das Hochbauamt, im Obergeschoss die Stadtplanung und im Dachgeschoss das Tiefbauamt.
Die heute noch verwinkelten Archiv- und Technikräume im Sockelgeschoss mit Zugang vom Fruchtmarkt werden zu einem attraktiven „Ratskeller“ umgebaut, dessen Außenbewirtung nicht nur den Fruchtmarkt, sondern auch die Rathaushalle bei Veranstaltungen beleben wird. Auf dem eher introvertierten Fruchtmarkt kann sich im Gegensatz zum belebten Marktplatz eine kontemplativere Gastronomie vielleicht als begehrter Treffpunkt der Rathausmitarbeiter entwickeln.