Neckarbogen BUGA Heilbronn

 

  • Wettbewerb: Juni 2015
  • Baugenehmigung: Juni 2016
  • Spatenstich: 01.07.2016
  • Bearbeitung: LPH 1-6
  • gepl. Fertigstellung:Winter 2017/Frühjahr 2018
  • BGF Haus 2: 1.836 m²
  • BGF Haus 5: 1.770 m²
  • BRI Haus 2: 5.921 m³
  • BRI Haus 5: 5.954 m³

Bauherr: Kruck + Partner Wohnbau und Projektentwicklung GmbH & Co. KG
 

Projektanschrift:
BUGA-Gelände
74076 Heilbronn

Haus 2
Grundlage für den Entwurf Haus 2 ist das inklusive Konzept, zu beschreiben ist mit „Gemeinschaft leben“. Eine gelingende Inklusion bereichert unsere Gesellschaft durch Vielfalt und schafft die Voraussetzungen für ein lebendiges Miteinander ohne mentale oder physische Barrieren. Die Strukturen eines am Gemeinwesen orientierten Wohnquartiers helfen dabei, die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung zu stärken und nutzbringend einzusetzen. Eine grundstücks-übergreifende Koordination schafft dabei die Voraussetzungen für soziale Vielfalt und gelungene Nachbarschaften.
So ist in die Flächen für das Haus 2 neben einer Wohnnutzung für inkludiertes Wohnen in den Ebenen 1. OG – 4. OG ein Fahrradadladen mit angeschlossener Werkstätte im Erdgeschoss eingeschrieben. Eine gemeinsam nutzbare Dachterrasse mit Dachgarten ergänzt das Angebot der Einrichtung. Im Fahrradladen können Fahrräder geliehen, repariert, elektrisch aufgeladen oder auch gekauft werden. Dieser Mobilitätstreffpunkt wird ergänzt durch das benachbarte Café in Haus 3 (Grundstück I3) mit angeschlossenem Waschsalon als sozialer Quartierstreffpunkt.
Über das Haus 2 erfolgt die Zufahrt zur zentralen Tiefgarage für das Gesamtareal und zum Abstellraum für die Fahrräder für das gesamte Quartier. Erschlossen wird das Haus 2 über ein zentrales Treppenhaus mit zugeordnetem Aufzug. Die baurechtliche Eingliederung als Sondergebäude für Wohnen behinderter Menschen bedingt ein zusätzliches Treppenhaus bzw. wie für das Haus 2 gewählt die Ausbildung eines Sicherheitstreppenhauses. Dieses stellt auf technischem Wege sicher, dass im Brandfall kein Rauch in das Treppenhaus eindringt und so eine sichere Entflüchtung des Gebäudes jederzeit erfolgen kann.
In den Obergeschossen werden 15 stationäre Wohnplätze in 1-Zimmer Appartements und vier 2-Zimmer Wohnungen für ambulantes betreutes Wohnen errichtet. Ein zusätzliches 2-Zimmer Appartement kann nach Bedarf vermietet oder als zusätzliches ambulantes Wohnangebot genutzt werden. In jeder Ebene lädt der zentrale Gemeinschaftsbereich mit großer Küche die Bewohner als Treffpunkt für die gemeinsamen Essen und zu anderen Aktivitäten ein. Zur Einbeziehung des Außenraums sind diesen Gemeinschaftsbereichen Loggien direkt zugeordnet.
Den großzügigen bodentiefen Fensteröffnungen in den Wohnungen und den Gemeinschaftsbereichen werden mit Gräsern begrünte Pflanzelemente als “Vorgärten“ vorgeschaltet. Ergänzend werden diese Elemente um das gesamte Gebäude herumgeführt und schaffen so eine horizontale Gliederung der Fassade. Die bodentiefe Verglasungen der Fensterelemente erlauben ein Maximum an natürlicher Belichtung in den Wohn- und Schlafräumen und erweitern optisch die Grundflächen der Räume, es entsteht ein großzügiger Raumeindruck.
Die Fassadenplatten aus Beton Fertigteilen erscheinen durch die gezielte Auswahl des Zuschlags in verschiedenen Weiß- und Grautönen, eine grafisch aufgebrachte vergrößerte Grasstruktur nimmt das Thema der „Vorgärten“ spielerisch wieder auf. Die Wärmedämmung wird auf die tragende Schale aus Stahlbeton aufgebracht und durch eine Hinterlüftungsebene funktional geschützt. Die Konstruktion der Fassade entspricht den Förderrichtlinien der KFW 55 und den Vorgaben der ENEV 2016.
 
Haus 5
Das Haus 5 als prominentes Eckgebäude am Stadtsee vereint in der Hauptsache zwei unterschiedliche Nutzungen in sich.
Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sind in Ergänzung zum inklusiven stationären und ambulanten Wohnen in Haus 2 Räumlichkeiten für die Tagesförderstätte untergebracht. Im 2.-5. Obergeschoß sind Wohnungen als Dreispänner für den freien Wohnungsmarkt angeboten.
Erschlossen wird das Gebäude durch eine einläufige Treppe, der Treppenraum erhält natürliches Tageslicht über eine großzügige Verglasung im Dach. Alle Etagen werden über den gemeinsam genutzten Aufzug erreicht.
Die Tagesförderstätte übernimmt mit ihren arbeitstherapeutischen Dienstleistungsangeboten  (u.  a.  Café,  Waschsalon, Radwerkstatt, Rezeption, nachbarschaftlich betreutes Gardening-Projekt im gemeinsamen Innenhof der Wohngebäude) zentrale Koordinations-, Service- und Netzwerkaufgaben im Quartier und wirkt positiv nach außen. Die Gruppenräume der Tagesförderstätte werden am Abend und am Wochenende für Bildungsangebote, Veranstaltungen und private Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen.
Die Tagesförderung untergliedert sich in die folgenden Bereiche: Im Erdgeschoss der gemeinsame Speiseraum mit 24 Sitzplätzen, angeschlossenem Mitarbeiterraum und der Verteilerküche. Ergänzt wird diese Gemeinschaftsfläche durch die Sanitärbereiche und den Wickelraum, zum Innenhof hin ist ein Werkraum orientiert.
Im 1. Obergeschoss zwei direkt nebeneinander angeordnete Gruppenräume insgesamt ca. 105 m2 Nutzfläche und einer Verbindungstüre für gemeinsame Aktivitäten. Ergänzt wird der Gruppenbereich durch einen Ruheraum sowie den sogenannten Snoezelenraum, ein Raum mit einer angenehmen und warmen Einrichtung und Lichtgebung, in dem man, bequem liegend oder sitzend, umgeben von leisen Klängen und Melodien, Lichteffekte betrachten kann.
Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit „Französischen Fenstern“ prägen die darüber liegenden Obergeschosse. Die bodentiefe Verglasungen der Fensterelemente erlauben ein Maximum an natürlicher Belichtung in den Wohn- und Schlafräumen und erweitern optisch die Grundflächen der Räume, es entsteht ein großzügiger Raumeindruck. Zwei der drei Wohnungen pro Etage erstrecken sich auf die gesamte Gebäudebreite. Die Ost - West Orientierung schafft eine optimale Besonnung und Durchlüftung der Wohnungen. Auch die nur einseitig orientierte Wohnung ist mit einer reinen Westausrichtung günstig orientiert. In das Gebäude eingeschnittene Loggien eröffnen jeder Wohnung einen direkt zugeordneten Außenraum der zudem wettergeschützt ist.
Das Traggerüst des Gebäudes bilden ein tragendes Fassadengerüst aus hoch wärmegedämmten Hochlochziegeln in einer Wandstärke von 365 mm in Kombination mit Stürzen, Stürzen und Geschossdecken in Stahlbeton.
Das Fassadengerüst wird traditionell und regelmäßig in Wände und Pfeiler aufgelöst und als äußere Gebäudehülle mit direkt vermörtelten Ziegelverblendern im Läuferverband verkleidet. Die handwerkliche Ausführung dieser Verblender mit unregelmäßig hervorquellenden Mörtelfugen und breiten Lagerfugen verleihen dem Haus 5 einen handwerklichen Charakter sowie ein archaisches Aussehen. Die Ziegelverblender werden direkt auf das Außenmauerwerk aufgemörtelt, der Aufbau der Außenwände ist monolithisch und homogen. Die Konstruktion der Fassade entspricht den Förderrichtlinien der KFW 55 und den Vorgaben der ENEV 2016.
Durch das integrieren der Wärmedämmung in den Mauerziegel und somit das Fehlen einer Dämmschicht als konventionelle Wärmedämmung kann auch auf eine Hinterlüftung der Fassade bzw. eine Schutzschicht als Vorsatzschale aus Klinkermauerwerk verzichtet werden. Diese Hinterlüftung schafft unkontrollierte Hohlräume und muss am Fassadensockel, im Bereich der Fenster und an der Attika mit der Außenluft verbunden werden was unschöne offene Mörtelfugen im Ziegelgefüge zur Folge hat.
Zudem muss diese Klinker Vormauerung mit Edelstahlankern an der Tragkonstruktion rückverankert werden was konstruktiv aufwändig ist und in jedem Befestigungspunkt eine Durchdringung und somit Schwächung der Wärmedämmung bedeutet.
Die durch den reduzierten Wandaufbau gewonnenen Flächen kommen zudem den Nutzflächen in den Wohn- und Gruppenbereichen zu Gute.