Neubaugestaltung Synagogenplatz in Tübingen

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele Juden aus den umliegenden Dörfern nach Tübingen. Sie errichteten 1882 in der Gartenstraße 33 eine kleine Synagoge, die in der Reichspogrom-Nacht am 9. November 1938 niedergebrannt wurde. 1998 gewannen Jörg Weinbrenner, Stuttgart und der Bildhauer Gert Riel, Remshalden, den von der Projektgruppe »Denkmal Synagogenplatz« ausgeschriebenen Wettbewerb.
Der Synagogenplatz ist eine schmale, rund 2 ha große Fläche, die östlich an das ehemalige Synagogengrundstück angrenzt. Nur der Lützel-Brunnen mit seinen umstrittenen Inschriften erinnert an den 9. November 1938. Eine neue Schicht des Gedenkens legt sich als Entwurfsgedanke um eine ältere, weist die Betrachtenden nicht nur auf das Verbrechen hin, sondern auch auf den heutigen Umgang mit Erinnerung. Der durch einen Stahlkubus umgebende Lützel-Brunnen wird mit seinen Inschriften durch 94 Öffnungen im Stahl sichtbar bleiben. Die 94 dort entnommenen Stahlquadrate symbolisieren die vertriebenen und ermordeten Tübinger Juden. Ihrer wird auf eingravierten Stahltafeln, die über der Wasserrinne schweben, namentlich gedacht. In der erhöhten Wasserrinne fließt das Brunnenwasser mit leichtem Gefälle auf eine hohe, aus zwei Stahlplatten gefügte Stele zu, den »Ort gegen das Vergessen«. Texttafeln an der Stele informieren über die Geschichte der Gemeinde, die Zerstörung ihres Gotteshauses und ihre Vernichtung. Weitere Texttafeln dokumentieren den problematischen Umgang mit der Erinnerung an diesem Ort. Von drei Seiten zwischen Häusern eingezwängt, nach Süden hin zur Gartenstraße offen, will das Denkmal beruhi-gen. Andererseits will es auch irritieren. In seiner strengen Ästhetik konzentriert es und provoziert zugleich.

  • Baukosten: 70.000 €
  • Bearbeitung: LPH 1-8

Bauherr: Projektgruppe Synagogenplatz

Projektanschrift: Gartenstraße
Synagogenplatz
72074 Tübingen