Realisierungswettbewerb NS-Dokumentationszentrum in München

Die Aufgabe Gewalt, Unterdrückung, die Unmenschlichkeit eines politischen Systems, die Verführung und Verrohung eines ganzen Volkes in einem Gebäude darzustellen, kann kaum gelingen. Wohl aber können Spuren gelegt werden, welche es auch nachfolgenden Generationen ermöglichen, einen Zugang zu diesem Teil der deutschen Geschichte zu finden.
Der Neubau des geplanten Dokumentationszentrums erfährt keine harmonische Gliederung im herkömmlichen Sinn. Ein schiefer, schroffer und weitgehend geschlossener Solitär steht im Kontrast zu den umgebenden klassizistischen Fassaden und symbolisiert den Bruch in der Geschichte.
Die Anmutung des Gebäudekörpers kann nicht die "Qualität" eines Mahnmals besitzen. Seine Gestalt muß jedoch die Kraft und Ausstrahlung haben, um diesen besonderen Ort zu definieren.
Vom Königsplatz, dem Ort der Bücherverbrennungen und der Aufmärsche, führt eine Spur über die Arcisstraße, schneidet durch die Relikte der nationalsozialistischen Kultstätte "Ehrentempel" und führt direkt in das neue Dokumentationszentrum.
Kein erhabener Zugang wie wir es aus vielen Zeugnissen der Machtarchitektur kennen. Vielmehr führt die Spur in Form einer schiefen Ebene tief in das neue Dokumentationszentrum.
Kein "offener" oder gar "herzlicher" Empfang, vielmehr eine sachliche Einstimmung auf die schwierige und unbequeme Thematik, mit welcher sich die Besucher dieses Gebäudes auseinandersetzen müssen, wenn sie es ernst meinen.
Die subtile Öffnung und bewußte Orientierung des Gebäudes zum Königsplatz, die bewußte Einbeziehung der Relikte des "Ehrentempels", die Negation der Brienner Straße in Bezug auf den Zugang, der tief gelegte Eingang, kippende Wände auf nachgebenden Fundamenten sind Mosaiksteine eines "ikonographischen" Konzeptes, welches der Besucher möglicherweise nicht sofort versteht und deuten kann, welches jedoch zum Nachdenken und zur thematischen Auseinandersetzung Anstoß gibt.
Das Gebäude wird funktionsgerecht in 2 Baukörper aufgeteilt. Der Baukörper zur Brienner Straße beherbergt die musealen Räume, Ausstellungsbereiche, Vortrags- und Diskursräume sowie den Foyerbereich.
In dem nördlichen, schmalen Baukörper befinden sich neben Café und Pausenräume auch die Büro-bereiche sowie sämtliche Nebenräume.
Auf der Eingangsebene angekommen, wird der Besucher von der Empfangstheke aufgenommen. Die Wechselausstellung schließt sich dem Foyer an, was organisatorische Vorteile bringt und zur reibungslosen Durchführung von Sonderveranstaltungen und Ausstellungen beiträgt.
Der Museumsbereich ist so gestaltet, daß in Verbindung mit dem Ausstellungskonzept die Besucher systematisch und abwechslungsreich durch die 5 Museumsebenen nach oben geführt werden. Ein methodisch didaktischer Weg, an dessen Ende auf der Dachebene die topographischen Bezüge in der Stadt erfaßt werden können.
Die introvertierte, schlichte und sachliche Grundstimmung der Räume ist der besonderen Thematik und den Ausstellungsinhalten geschuldet. Sie fördert die Konzentration und die Bereitschaft zur thematischen Auseinandersetzung.
Mit Betreten der Dachebene verlassen die Besucher vordergründig den "Raum der Geschichte" und treten ein in das Hier und Heute.
Ein verglaster, zum Königsplatz orientierter Pfad erlaubt einen umfassenden Blick auf die Stadt und auf deren bauliche Zeugnisse der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Geschichte des Nationalsozialismus in München bekommt im Sinne der "Kultur des Erinnerns" reale Bezüge und Anknüpfungspunkte. "
Knappe Details und wenige Materialien bestimmen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Als gestaltbestimmendes Material wird im Innen- und Außenbereich durchgefärbter Beton eingesetzt.
Die Anlieferung erfolgt über den nördlichen, zum Hof orientierten Lastenaufzug.
Der Aufzug erschließt alle Geschosse und wird von Regenerierküche und Cafeteria mitgenutzt.